Logoleiste Selbstevaluation.deblauer Balken

Harro Dietrich Kähler
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

Barrieren der Selbstevaluation — und wie man sie umgehen, überwinden oder schleifen kann

Barriere "Fehlende Rahmenbedingungen für Selbstevaluationen"

Selbstevaluations-Projekte müssen sich im Rahmen des beruflichen Alltagshandelns planen, durchführen, auswerten und dokumentieren lassen. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, besteht wenig Aussicht, dass Fachkräfte motiviert sind, Selbstevaluation in ihre berufliche Alltagsroutine einzubeziehen. Es bedarf materieller, personeller und zeitlicher Mindestvoraussetzungen (vgl. König 2000, 66f). Zu den materiellen Voraussetzungen gehört, dass anfallende berufliche Verpflichtungen nicht so stark sind, dass Selbstevaluation nicht in die Routine des Berufsalltags integriert werden kann, selbst wenn sie in einem noch so bescheidenen Rahmen ablaufen soll. Die Deutsche Gesellschaft für Evaluation nennt in diesem Zusammenhang folgende Voraussetzungen: "Die für die Selbstevaluation notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen müssen identifiziert und verfügbar sein. Die Aufbringung dieser Ressourcen und deren Verwendung muss in einem Aushandlungsprozess festgelegt werden. Alle Vereinbarungen sind protokollarisch festzuhalten." (DeGEval 2004, 8). Diese gelten offenbar insbesondere für offizielle Selbstevaluation im Rahmen von Qualitätssicherungsprozessen.
Wichtiger aber ist möglicherweise die Schaffung von Voraussetzungen im Hinblick auf alle an Selbstevaluation beteiligten Personen und Stellen. "Wer für eine Selbstevaluation wirbt, kann nicht damit rechnen, bei seinen Kolleginnen und Kollegen Begeisterungsstürme auszulösen. Wie bei vielen Innovationen (...) trifft auch Evaluation vielfach auf Skepsis, Zurückhaltung, ja sogar massive Abwehr. (...) es (hat) sich bewährt, nicht darauf zu warten, bis alle Bedenkenträger/innen einer Evaluation mit allen Einzelheiten zustimmen, sondern mit denen zu beginnen, die mitmachen wollen, solange alle von der Evaluation Betroffenen informiert sind und zumindest das Vorhaben tolerieren. Gegen Personen 'anzuevaluieren', möglicherweise mit dem heimlichen Evaluationsziel, dass die Ergebnisse ihnen endlich die Augen dafür öffnen werden, was sie schon längst hätten sehen sollen, wird allerdings scheitern. Evaluation als Mittel schulinterner Machtkämpfe führt nur selten zu verwertbaren Ergebnissen." Es gilt also die Maßregel: "Nicht unbedingt mit allen, aber auch nicht gegen viele beginnen." (Burkard 1999, 218) Zur Klärung der Frage, mit wem bei einer Selbstevaluation zusammengearbeitet werden kann, empfiehlt es sich, eine "Risikoanalyse als Rollenanalyse" vorzunehmen, um die Gefährdungen vor vornherein im Blick zu haben. Damit ist die Anregung gemeint, der Frage nachzugehen, "was passieren könnte, wenn Sie bestimmte Praxisfelder untersuchen und zu Ergebnissen kommen, die manchen Leuten gefallen, anderen nicht." (Qualitätsinitiative des BMFSFJ 1996). Grundsätzlich sollte zwischen den an einer Selbstevaluation beteiligten Personen Offenheit, Vertrauen und Transparenz bestehen — eine notwendige Voraussetzung, um die bei den Beteiligten bestehenden Bedenken hinsichtlich eines Selbstevaluations-Projekts abbauen zu können.

Das richtige Buch finden: Experteneinschätzung oder Klappentext?

Titel und Klappentexte von Büchern versprechen viel. Welches Fachbuch hält, was es zu versprechen scheint? Bei der Suche nach geeigneten Fachbüchern und Neuerscheinungen hilft der socialnet Rezensionsdienst.

  • zur Zeit ca. 2.100 Rezensionen, über 600 weitere Rezensionen jährlich
  • wöchentliche Ergänzungen
  • ca. 500 unabhängige RezensentInnen aus Wissenschaft/Lehre und Praxis
  • differenzierte Suchmöglichkeiten u.a. nach Schlagwörtern und Autoren
  • bei Gefallen: portofreier Versand durch seriösen Buchhandelspartner

Über den kostenlosen socialnet Newsletter können Sie sich bequem die monatliche Übersicht der im Vormonat rezensierten Neuerscheinungen zuschicken lassen und so auf dem Laufenden bleiben.