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Harro Dietrich Kähler
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

Barrieren der Selbstevaluation — und wie man sie umgehen, überwinden oder schleifen kann

Barriere "Eine geeignete Selbstevaluations-Fragestellung festlegen"

Aus vielen Lehrveranstaltungen zum Thema Selbstevaluation habe ich die Erfahrung gewonnen, dass eine geeignete Fragestellung für ein Selbstevaluations-Projekt zu entwickeln vielleicht die größte Barriere darstellt. Diese Fragestellung muss nämlich unterschiedliche Gesichtspunkte berücksichtigen, die umzusetzen in der Tat kein einfaches Unterfangen ist:

  • Das Thema soll bedeutsam sein. Das kann der Fall sein, wenn es zu einem Bereich der beruflichen Tätigkeit Kritik von Außen oder im Team unterschiedliche Positionen oder Konflikte gibt (Burkard 1999, 217). Bedeutsam ist ein Thema aber auch dann, wenn die Fachkraft selbst unsicher oder neugierig ist, wie ein bestimmter Teilbereich der beruflichen Tätigkeit läuft.
  • Nur solche Themen kommen für Selbstevaluations-Projekte in Frage, deren Ergebnisse Konsequenzen für das weitere Handeln haben. Diese Forderung gilt prinzipiell für alle Evaluationen: "Wird Evaluation nicht an diese Anwendungsperspektive gekoppelt, ist zu befürchten, daß die Ergebnisse in mehr oder weniger umfangreichen Abschlußberichten festgehalten und zur Ruhe gebettet werden (...)" (Kähler 1999a, 93). Bei der Festlegung von Selbstevaluationsobjekten muss deshalb von vornherein mit Blick auf mögliche Konsequenzen geplant werden: ohne die Möglichkeit, aus den ermittelten Erkenntnissen auch Konsequenzen abzuleiten, sollten Selbstevaluationsprojekte gar nicht erst angefangen werden!
  • Besonders wichtig: die Fragestellung muss im Rahmen der alltäglichen Arbeitsroutine bearbeitbar sein: "Die Evaluationstätigkeit ist in den normalen Arbeitsprozeß integrierbar (schlank, knapp, fachlich)" (Beywl/Bestvater 1998, 39). Gerade dieses "Herunterbrechen" von Fragestellungen auf bearbeitbare Teilbereiche fällt besonders schwer. Häufig bedeutet diese Notwendigkeit von Selbstevaluation nämlich, dass interessante und wichtige Fragen in mehrere — für sich genommen banal erscheinende — Teilfragen aufgesplittet werden müssen, die nacheinander über einen längeren Zeitraum einer Bearbeitung zugeführt werden.
  • Schließlich darf bei der Festlegung der Fragestellung auch noch nicht zu stark nach den Methoden geschielt werden, mit denen die Fragestellung bearbeitet werden können — andernfalls besteht die Gefahr, dass die Machbarkeit darüber befindet, was untersucht wird, statt zunächst (vorläufig) festzulegen, was zu untersuchen sich lohnt. Erst danach gilt es zu prüfen, ob der ausgesuchte Bereich auch empirisch untersuchbar ist (Radnitzky/Schratz 1999, 16). Das Risiko, dass sich nach der (vorläufigen) Festlegung einer Fragestellung herausstellt, dass sie tatsächlich nicht empirisch bearbeitbar ist, muss dabei bewusst in Kauf genommen werden. Gerade in diesem Bereich scheinen externe Begleitungen und Beratungen, zumindest aber Formen kollegialer Beratung besonders sinnvoll zu sein, um bei der Umsetzung eines Selbstevaluationsinteresses in eine konkrete und geeignete Fragestellung für ein Selbstevaluations-Projekt zu assistieren.

Buchtipp

Joachim König: Einführung in die Selbstevaluation. Ein Leitfaden zur Bewertung der Praxis Sozialer Arbeit.

Buchcover

Lambertus Verlag (Freiburg) 2., neu überarb.
Aufl. 2007. 196 Seiten. ISBN 3-7841-1780-5. 17,0 EUR, CH: 30,70 SFr.

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