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Harro Dietrich Kähler
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

Barrieren der Selbstevaluation — und wie man sie umgehen, überwinden oder schleifen kann

Barriere "Auswahlprobleme"

Auswahlprobleme stellen sich nicht nur in der Empirischen Sozialforschung, sondern im Grunde alltäglich in der beruflichen Arbeitspraxis, auch wenn sie als solche häufig nicht erkannt werden. Welche Personen, welche Gruppen, welches Feld, welche Akte usw. sollen in die Selbstevaluation einbezogen werden? Was ist das Typische für die Situation von KlientInnen, welche beobachtete Situation ist besonders erhellend, welches der in Frage kommenden Probleme steht im Vordergrund, welche Antwort gewichte ich besonders stark, welche weniger?
Grundsätzlich hilft hier eine Orientierung an den Erkenntnissen der Empirischen Sozialforschung zur Bildung repräsentativer Stichproben weiter, auch und gerade dann, wenn der klassische Weg über die Bildung von Zufallsstichproben bei Selbstevaluations-Projekten nicht gegangen werden kann. Diese Orientierung erleichtert eine selbstkritische Einschätzung der tatsächlich erreichten Stichproben und trägt dazu bei, mit Ergebnissen vorsichtig umzugehen. Tatsächlich lassen sich aber im Rahmen von Selbstevaluations-Projekten eher selten repräsentative Stichproben für die Dokumentation des zu untersuchenden Teilausschnitts der beruflichen Tätigkeit realisieren. Eine starke Fixierung auf die Bildung repräsentativer Stichproben kann sich als Barriere für Selbstevaluations-Projekte erweisen. Es gilt daher, Alternativen ins Auge zu fassen, z. B.:

  • Ankerbeispiele. Lübben (1988) entwickelte für die systematische Entscheidungsfindung in Sorgerechtsfällen einen Beobachtungsbogen mit vier Verhaltensdimensionen, auf denen Schätzwerte quantitativ festgehalten wurden. Hinzu kamen verbal festgehaltene Beobachtungen als "Ankerbeispiele". Mit dieser Auswahl von Ankerbeispielen wird der Versuch unternommen, aus der Fülle von Einzelbeobachtungen das Wesentliche zu destillieren.
  • Gemeinsame Bestimmung der Auswahl. Das Verfahren würde noch gewinnen, wenn auch die Auswahl der Ankerbeispiele in den Reflexionsprozess einbezogen wird, so dass sich die Chance erhöht, dass die Auswahl der Ankerbeispiele möglichst typisch — also repräsentativ — für die Evaluationsfragestellung ausfällt. Dieser Gedanke lässt sich verallgemeinern: Wo immer möglich, sollten alle am Evaluationsprozess Beteiligte in die Entscheidungen über die Auswahl des "Wichtigen" und "Typischen" einbezogen werden.
  • Bewusste Festlegung und Offenlegung der Auswahl. Repräsentative Stichproben lassen sich selten verwirklichen — deshalb muss die Qualität eines Selbstevaluations-Projekts aber nicht schlecht sein. Wesentliches Qualitätsmerkmal eines solchen Projekts ist deshalb die bewusste Entscheidung über die Stichproben und deren Offenlegung nach Innen und Außen.

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