Logoleiste Selbstevaluation.deblauer Balken

Harro Dietrich Kähler
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

Barrieren der Selbstevaluation — und wie man sie umgehen, überwinden oder schleifen kann

Barriere "Haltung —Wozu die ganze Mühe?"

Auf die mögliche Barriere "Ängste und Widerstände bei Fachkräften" wurde schon eingegangen. Doch selbst wenn Ängste und andere Widerstände neutralisiert sind, kann Selbstevaluation nur dann realisiert werden, wenn die Fachkräfte von deren Chancen überzeugt sind. Welche positiven Aussichten können also locken, um sich auf die in der Tat vorhandenen Mühen eines Selbstevaluations-Projekts einzulassen? (vgl. hierzu auch die Abschnitte "Notwendigkeiten" und "Chancen" des Beitrags von Joachim König in diesem Heft).

  • Selbstevaluation schafft eine solide Basis für Auseinandersetzung im Team: Auf einer empirischen Grundlage lassen sich viele Spannungen und Konflikte im Team sachlicher und begründeter analysieren und klären (Burkardt 1999, 214).
  • Prozessnutzen. Eine besonders attraktive Seite der Selbstevaluation ist darin zu sehen, dass allein die Planung, Durchführung und Auswertung eines Selbstevaluationsprojekts mit großer Wahrscheinlichkeit zu Verbesserungen der Arbeitsqualität beiträgt — völlig unabhängig von tatsächlich ermittelten Ergebnissen. Das hat damit zu tun, dass bei der Planung einer Selbstevaluation bestimmte Qualitätsforderungen an systematisches Arbeiten deutlich werden. Damit soll nicht gesagt werden, dass die Ergebnisse von Selbstevaluationsprojekten zweitrangig sind — der Prozessnutzen kann nur entstehen, wenn ernsthaft sinnvolle Ergebnisse angestrebt werden. Unabhängig von diesen Ergebnissen verspricht aber eben schon das bloße Sich-Einlassen auf die Selbstevaluation attraktive Gewinne, gerade unter dem Gesichtspunkt von  Selbstevaluations-Projekten als Unterstützung und Teil methodischen Arbeitens.
  • Praxisnutzen: Stabilisierung und Fortsetzung von Bewährtem. Über Selbstevaluations-Projekte besteht eine Chance, nachzuweisen, dass bestimmte Aspekte der Sozialen Arbeit sinnvoll sind und sich bewähren. Auf dieser Basis kann die Qualität vorhandener Arbeitsprozesse und -strukturen offensiv nach Innen und Außen vertreten werden. Es macht einen Unterschied, ob ich vermute, dass ich gut arbeite oder ob ich nachgewiesen habe, dass ich gut arbeite.
  • Praxisnutzen: Verbesserung durch begründete Einleitung von Veränderungen. Wie oben schon ausgeführt muss bei jeder sinnvollen Evaluation damit gerechnet werden, dass die systematisch dokumentierten Daten auf den Nachweis von Misserfolgen bzw. von mangelnder Qualität hinausläuft. In diesen Fällen besteht eine empirische Basis für die Einleitung von Änderungen mit dem Ziel der Optimierung im Bereich der untersuchten Bereiche der Praxis Sozialer Arbeit. Bei der Festlegung von Selbstevaluationsobjekten muss von vornherein mit Blick auf derartige mögliche Konsequenzen geplant werden. Wie bereits erwähnt sollten Selbstevaluations-Projekte ohne die Möglichkeit, aus den ermittelten Erkenntnissen auch Konsequenzen abzuleiten, erst gar nicht angefangen werden!

Buchtipp

Joachim König: Einführung in die Selbstevaluation. Ein Leitfaden zur Bewertung der Praxis Sozialer Arbeit.

Buchcover

Lambertus Verlag (Freiburg) 2., neu überarb.
Aufl. 2007. 196 Seiten. ISBN 3-7841-1780-5. 17,0 EUR, CH: 30,70 SFr.

Rezension
Bestellung