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Harro Dietrich Kähler
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

Selbstevaluation - erstes Verständnis - Voraussetzungen - Chancen

2. Besonderheiten des Erfolgsnachweises in der Sozialen Arbeit

Erfolge in der Sozialen Arbeit nachzuweisen scheint anderen Gesetzmäßigkeiten zu unterliegen als beispielsweise bei der Produktion von Gütern oder bei gewerblichen Dienstleistungen. Hierfür lassen sich u.a. folgende Gründe anführen:

  1. Soziale Arbeit steht zwischen unterschiedlichen Anforderungssystemen, die sich in ihren Erwartungen häufig deutlich voneinander unterscheiden. Dies gilt für das Anforderungssystem der jeweiligen Organisation, für die berufliche HelferInnen arbeiten, die Anforderungen, die sich aus der Zugehörigkeit zum jeweiligen Berufsstand ergeben und aus den Erwartungen, die die KlientInnen an die beruflichen HelferInnen herantragen (vgl. Meinhold 1988: 70). Damit in Zusammenhang steht, dass der Fachkonsens über die Qualitätsmaßstäbe eher gering ausgeprägt ist (Beywl/Bestvater 1998): Was von der Warte einer dieser Perspektiven als "Erfolg" wahrgenommen wird, kann aus der Sicht der anderen Beteiligten durchaus als "Misserfolg" angesehen werden. Diese Strukturvoraussetzung erschwert die eindeutige Erfolgsbestimmung.
  2. Sozialarbeit ist zwischen qualifizierteren Berufsgruppen und Laien angesiedelt (Meinhold 1988:70/71). Auf der einen Seite gibt es Teilbereiche aus dem Gesamtaufgabenfeld der Sozialen Arbeit, für die spezialisierte Fachkräfte mit einschlägiger Ausbildung besser qualifiziert sind als professionelle MitarbeiterInnen der Sozialen Arbeit (Psychotherapeuten, Juristen, Ärzte, Seelsorger u.a.). Auf der anderen Seite ähnelt vieles, was SozialarbeiterInnen leisten, "alltäglichen Handlungen von Laien, von Nachbarn, Müttern und Freunden". Diese Zwischenstellung erschwert ebenfalls die nähere Bestimmung von Erfolgen in der Sozialen Arbeit.
  3. Die Soziale Arbeit wird fälschlich für die Behebung der Ursachen sozialer Probleme verantwortlich gemacht (Meinhold 1988: 71/72). So weit der Sozialen Arbeit angelastet wird, sie arbeite nur an den Symptomen von Erscheinungen, deren Ursachen weit gehend unbearbeitet bleiben, muss eine Erfolgsbestimmung immer eher defizitär erscheinen. Mit Recht argumentiert Meinhold: "Wenn mit 'Ursachen' die Armut des Klientels gemeint ist und die mit der Armut verbundenen Benachteiligungen, dann wären nicht Sozialarbeiter, sonder eher Politiker, Wirtschaftsexperten oder Gewerkschaftsfunktionäre die Adressaten eines solchen Vorwurfs. Sozialarbeiter sind weder dafür ausgebildet, noch gibt es in den für sie typischen Arbeitsfeldern die Möglichkeiten, in den Verteilungskämpfen um Geld und Arbeit steuernd zu wirken. (Es werden ja auch nicht die Förster für das Waldsterben verantwortlich gemacht.)". Damit ist nicht gemeint, dass sich die BerufsvertreterInnen Sozialer Arbeit nicht um die Bearbeitung der grundlegenden Probleme kümmern sollten - nur werden die Beiträge zur Bearbeitung der Problemursachen notgedrungen eher bescheiden ausfallen müssen. Die Bestimmung von Erfolgen in der Sozialen Arbeit muss sich also mit diesem latenten und unberechtigten Vorwurf auseinandersetzen und ihm offensiv entgegentreten.
  4. Hinzu kommt, dass der Fachkonsens über die Ursachen von Misserfolgen meist gering und kontrovers ist (vgl. Beywl und Bestvater 1998: 34-37). Bezogen auf die Bewertung des Erfolgs von Nachhilfeunterricht als pädagogischer Dienstleistung schreiben Beywl und Bestvater (S.36): "Treten gewünschte Wirkungen im pädagogischen Kontext nicht auf, so gibt es meist einen breiten, intensiven und letztlich nie beendeten Streit darüber, auf welche Ursachen dies zurückzuführen ist: Spielen die Lerneingangsbedingungen des Lernenden die wichtigste Rolle, vielleicht sogar dessen frühkindliche Erfahrungen mit Lernsituationen? Welchen Anteil hat das professionelle Handeln, die Persönlichkeit der lehrenden Person? Welchen Einfluss haben Materialien und Medien? Was für eine Rolle spielt die Organisation des Prozesses, Aspekte wie Individualisierung und Differenzierung ...?" - Auch diese Voraussetzung erschwert die Analyse beruflicher Erfolge in der Sozialen Arbeit.
  5. Schließlich sind die Wirkungen sozialarbeiterischer Interventionen nicht einfach - wenn überhaupt - direkt erkennbar, weil sie – unter anderem – zum Teil erst zeitverzögert eintreten oder auch durch andere Faktoren überlagert werden (Beispiel: präventive Maßnahmen).

Bezogen auf die Planung einer stellvertretenden Selbstevaluation in einer bestimmten sozialen Einrichtung muss also geklärt werden, mit welchen besonderen Schwierigkeiten und Voraussetzungen zu rechnen ist und wie dennoch Argumente für eine Erfolgsüberprüfung und Bewertung ausgewählter Teilaspekte beruflicher Arbeit herausgearbeitet werden können.

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