Harro Dietrich Kähler
Fachhochschule Düsseldorf, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Selbstevaluation - erstes Verständnis - Voraussetzungen - Chancen
4. Attraktivität von Selbstevaluationen: wozu die ganze Mühe?
Es wird klar: Selbstevaluation zu betreiben ist kein einfaches Unterfangen. Schon die Klärung der besonderen Schwierigkeiten von Erfolgsnachweisen in der Sozialen Arbeit (vgl. Abschnitt 2) und die Hinweise auf die nicht immer leicht herzustellenden Voraussetzungen für Selbstevaluationen in einer Einrichtung (Abschnitt 3), geschweige denn die Schwierigkeiten bei der Entwicklung einer geeigneten Fragestellung, machen dies deutlich. Diese Mühen lohnen sich aber! Wer sich auf Selbstevaluationen einlässt, hat begründete Aussicht auf Zuwachs an Erkenntnisgewinn und Praxisverbesserung. Darauf soll mit einigen Argumenten eingegangen werden.
- Prozessnutzen. Eine besonders attraktive Seite der Selbstevaluation ist darin zu sehen, dass allein die Planung, Durchführung und Auswertung eines Selbstevaluationsprojekts mit großer Wahrscheinlichkeit zu Verbesserungen der Arbeitsqualität beiträgt - völlig unabhängig von tatsächlich ermittelten Ergebnissen. Das hat damit zu tun, dass bei der Planung einer Selbstevaluation bestimmte Qualitätsforderungen an systematisches Arbeiten deutlich werden. Patton (1998) zitiert einen Evaluationsnutzer - wenn auch bezogen auf Fremdevaluation: "Es waren am Schluss nicht wirklich die Ergebnisse, die so wichtig waren, es war, dass wir durch den Prozess der Evaluation gegangen sind." Und Patton selbst schreibt: "Ich habe Prozeßnutzen definiert als bezogen auf und indiziert durch individuelle Veränderungen im Denken und Verhalten, die bei denen vorkommen, die in Evaluationen einbezogen sind, und zwar als Resultat des Lernens, das während des Evaluationsprozesses stattfindet." (S. 56). Damit soll nicht gesagt werden, dass die Ergebnisse von Selbstevaluationsprojekten ohne Interesse sind - der Prozessnutzen kann nur entstehen, wenn ernsthaft sinnvolle Ergebnisse angestrebt werden. Unabhängig von diesen Ergebnissen verspricht aber eben schon das bloße Sich-Einlassen auf die Selbstevaluation attraktive Gewinne.
- Praxisnutzen: Stabilisierung und Fortsetzung von Bewährtem. Über Selbstevaluationsprojekte besteht eine Chance nachzuweisen, dass bestimmte Aspekte der Sozialen Arbeit sinnvoll sind und sich bewähren. Auf dieser Basis kann die Qualität vorhandener Arbeitsprozesse und -strukturen offensiv nach Innen und Außen vertreten werden. Es macht einen Unterschied, ob ich vermute, dass ich gut arbeite oder ob ich nachweise, dass ich gut arbeite.
- Praxisnutzen: Verbesserung durch begründete Einleitung von Veränderungen. Wie oben schon ausgeführt muss bei jeder sinnvollen Evaluation damit gerechnet werden, dass die systematisch dokumentierten Daten auf den Nachweis von Misserfolgen bzw. von mangelnder Qualität hinauslaufen. In diesen Fällen besteht eine empirische Basis für die Einleitung von Änderungen mit dem Ziel der Optimierung im Bereich der untersuchten Bereiche der Praxis Sozialer Arbeit. Bei der Festlegung von Selbstevaluationsobjekten muss von vornherein mit Blick auf derartige mögliche Konsequenzen geplant werden (vgl. oben Abschnitt 1): ohne die Möglichkeit, aus den ermittelten Erkenntnissen auch Konsequenzen abzuleiten, sollten keine Selbstevaluationsprojekte überhaupt erst angefangen werden!
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