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Joachim König
Evangelische Fachhochschule Nürnberg

Ein Praxisleitfaden zur Selbstevaluation in der Jugendhilfe

Chancen

Die Breite der Diskussion und die Tatsache, dass Evaluation auch im Hinblick auf die Praxis der Jugendhilfe inzwischen eine zentrale Rolle spielt, die weit über den Nachweis ihrer Wirkung hinaus geht, wird vor allem durch drei zentrale Motive und Zielsetzungen deutlich, die unterschiedlichen Evaluationsvorhaben — auch nicht selten in kombinierter Form — zugrunde liegen können:
Fachliches Controlling und Innovation: Nicht nur durch den zunehmenden Druck von außen, d. h. durch Träger und von der Finanzierungsseite aus, wird immer stärker die Erwartung laut, Soziale Arbeit einer detaillierten Erwartungs-Erfolgs-Kontrolle zu unterziehen. Auch eine leistungsbezogene Selbstkontrolle kann Bewertungsgrundlagen schaffen, um Erfolg und Misserfolg auf der fachlichen und auf der politischen Ebene diskutierbar zu machen. Wie seit langer Zeit im Bereich der Industrie und in anderen Humandienstleistungen sind auch in der Sozialen Arbeit sogenannte "kontinuierliche Verbesserungsprozesse" (z. B. in Form von Qualitätsmanagement-Beauftragten, Qualitätszirkeln oder FC-Gruppen) inzwischen zu praktikablen und effektiven Instrumenten nicht nur der Qualitätssicherung und -entwicklung geworden. Auch im Hinblick auf die Verbesserung der strukturellen Bedingungen alltäglicher Handlungsabläufe kann Selbstevaluation innovativ wirken, d. h. zur Erneuerung von Strukturen und Hilfeprozessen beitragen.
Aufklärung und Qualifizierung: Nicht nur der finanzielle, auch der fachliche Problemdruck steigt in den Feldern der Sozialen Arbeit. Daraus ergibt sich ein zunehmendes Bedürfnis der KollegInnen, selbst zur Strukturierung, d. h. zu mehr Transparenz und Klarheit in der Unübersichtlichkeit und Komplexität alltäglicher Aufgabenstellungen — etwa durch die Rekonstruktion von Interventionsverläufen — beitragen zu können. Unter der Forderung nach dem "Ende der Beliebigkeit" im Zusammenhang mit den Bemühungen um die Fortentwicklung methodischen Handelns trägt verstärkt auch Evaluation dazu bei, die eigene Fachlichkeit zu optimieren. Aus der systematischen Reflexion alltäglicher Arbeit heraus kann die Sicherheit entstehen, das Richtige zu tun, d. h. professionell zu arbeiten, letztlich kompetent zu sein. Daraus können z. B. Beiträge zu einer sinnvollen Personalentwicklung oder einem neuen Weiterbildungskonzept in Organisationen entstehen.
Legitimierung: Neben einem wachsenden Bedürfnis nach Selbstvergewisserung bei KollegInnen kann die Entwicklung objektivierbarer Standards auch zum Nachweis von Qualität der eigenen Arbeit — nicht zuletzt im Sinne einer gesamtgesellschaftlich gedachten Effizienz — nach außen beitragen. Auf diese Weise entsteht auch mehr politische Verbindlichkeit Sozialer Arbeit und letztlich ein "dokumentierbares Mehr an Daseinsberechtigung" im betriebs- und volkswirtschaftlichen Sinne.

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