Joachim König
Evangelische Fachhochschule
Nürnberg
Ein Praxisleitfaden zur Selbstevaluation in der Jugendhilfe
Eine abschließende Überlegung
Es sollte deutlich geworden sein, dass in der Doppelrolle der Fachkräfte als helfende und "forschende" Akteure — neben vielen angesprochenen methodischen Unwägbarkeiten — der große Vorteil von Selbstevaluationsverfahren darin liegt, richtige, realitäts- und damit wahrheitsgetreue Erkenntnisse über den Untersuchungsgegenstand zu erhalten. Objektivität (d. h. Unabhängigkeit der Ergebnisse von den Evaluierenden) und Validität (Gültigkeit der Ergebnisse) stehen somit in einem nicht grundsätzlich lösbaren Zielkonflikt zueinander. Sich dessen bewusst zu sein, ist eine zentrale Gewähr dafür, die Ergebnisqualität einer Evaluation zu optimieren. Die Lebenswelt- und Subjektorientiertheit von Selbstevaluationen (d. h. nahe bei denen zu sein, um die es geht, und vieles schon zu wissen, was für die Bewertung des eigenen Alltagsgeschäfts von Bedeutung ist) sollte also als Vorteil und Qualitätsmerkmal verstanden und genutzt werden und gerade nicht zur Beliebigkeit beim Vorgehen verleiten. Ganz im Gegenteil: Die Regelgeleitetheit und Nachvollziehbarkeit einer Selbstevaluation bringt eine Grundhaltung zum Ausdruck, die um Offenlegung der eigenen Vorgehensweise bemüht ist und dadurch prinzipiell für alle diskutierbar und kritisierbar bleibt. Jugendhilfe sollte sich in dieser Hinsicht in keiner Weise in Bescheidenheit üben, sondern offensiv und kreativ die für ihre Praxis entwickelten Selbstevaluationsstrategien als zukunftsweisende Bestandteile der eigenen Professionalität auch nach außen tragen.
Literatur
Atteslander, P., 1995: Methoden der empirischen Sozialforschung. Berlin/New York
Bortz, J./Döhring, A., 42002: Empirische Forschungsmethoden und Evaluation. Berlin/Heidelberg/New York/Tokio
Engelke, E., 1999: Theorien der Sozialen Arbeit. Freiburg
Heiner, M., 1998: Experimentierende Evaluation. Weinheim/München
Heiner, M. (Hrsg.), 1988: Praxisforschung in der Sozialen Arbeit. Freiburg
Heiner, M. (Hrsg.), 1994: Selbstevaluation als Qualifizierung in der Sozialen Arbeit. Fallstudien aus der Praxis. Freiburg
Heiner, M. (Hrsg.), 1996: Qualitätsentwicklung durch Evaluation. Freiburg
Heiner, M./Meinhold, M./v. Spiegel, H./Staub-Bernasconi, S. (Hrsg.), 1994: Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Freiburg
König, J., 1998: "Wie gut sind wir eigentlich?" Kleiner Praxisleitfaden zur Selbstevaluation in der Sozialen Arbeit. In: Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 30. Jg., H.2/3, S. 181—200
König, J., 2000: Einführung in die Selbstevaluation. Ein Leitfaden zur Bewertung der Praxis Sozialer Arbeit. Freiburg. Vgl. die Rezension http://www.socialnet.de/rezensionen/35.php
Mayring, P., 52002: Einführung in die qualitative Sozialforschung. Weinheim
Moser, H., 2003: Instrumentenkoffer für die Praxisforschung. Freiburg. Vgl. die Rezension http://www.socialnet.de/rezensionen/956.php
Rossi, P.H./Freeman, H.E./Hofmann, G., 1988: Programm-Evaluation. Einführung in die Methoden angewandter Sozialforschung. Stuttgart
Thierau, H./Wottawa, R., ³2003: Lehrbuch Evaluation. Bern/Stuttgart/Toronto
Thiersch, H., 1992: Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. München/Weinheim
Wendt, W. R., 1994: Sozial und wissenschaftlich arbeiten. Status und Positionen der Sozialarbeitswissenschaft. Freiburg
Autor
Prof. Dr. Joachim König
Bärenschanzstr. 4
90429 Nürnberg
Tel. 0911/27253-835
Fax 0911/27253-813
joachim.koenig@efh-nuernberg.de
www.efh-nuernberg.de/evaluation
Jg. 1957; Professor für Allgemeine Pädagogik und Empirische Sozialforschung an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg, Fachbereich Sozialwesen, Leiter der Arbeitsstelle für Evaluation im kirchlichen, sozialen und Bildungsbereich, Berater von sozialen Organisationen in Qualitäts- und Evaluationsfragen
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