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Joachim König
Evangelische Fachhochschule Nürnberg

Ein Praxisleitfaden[1] zur Selbstevaluation in der Jugendhilfe

Übersicht

Jugendhilfe ist unter professionellen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufgefordert, ihren gesellschaftlichen Nutzen nachvollziehbar zu machen. Deshalb kann ihr nur angeraten sein, mit großem Selbstbewusstsein — bezogen auf die detaillierten Kenntnis der eigenen Praxis — arbeitsfeldspezifische Evaluationskonzepte selbst zu entwickeln und zu erproben. Der vorgestellte Leitfaden kann hierbei Hilfestellung geben.  

Notwendigkeiten

Aus drei Gründen werden Fragen der Evaluation und Selbstevaluation in der Praxis Sozialer Arbeit und im Bereich der Ausbildung ihrer Fachkräfte in letzter Zeit verstärkt diskutiert: Im Rahmen der Professionalisierungsdebatte ist man in methodischer Hinsicht in den letzten Jahren vermehrt zur Einsicht gekommen, dass auch praxisorientierte Evaluation in den verschiedenen Arbeitsbereichen der Sozialen Arbeit gezielte Beiträge zur Steigerung ihrer Fachlichkeit und damit zur Entwicklung neuer Standards methodischen Handelns leisten kann (vgl. dazu Heiner u. a. 1994; Heiner 1998). Vor allem im Bereich der Jugendhilfe — etwa durch die Vorgaben der KGSt im Rahmen der Einführung der sogenannten neuen Steuerung — hat sich dabei ein enormer Bedarf an fachlichem Nachweis ihrer Wirkung ergeben. Bezogen auf die Jugendhilfe bedeutet dies, dass es im Zuge eines "fachlichen Controlling" höchste Zeit wird, nachvollziehbar zu prüfen, ob die Praxis der Jugendhilfe auch in der Lage ist, die normativen Vorgaben aus den entsprechenden Paragraphen des KJHG wirklich kundengerecht umzusetzen.
In ihrem Verhältnis zu den Nachbardisziplinen sind im Diskurs um die Wissenschaftlichkeit Sozialer Arbeit in theoretischer Hinsicht Bemühungen entstanden, — auch durch verstärkte Praxisevaluationen — zur Entwicklung der "Sozialarbeitswissenschaft" beizutragen (vgl. dazu Engelke 1999; Wendt 1994). Bezogen auf die Jugendhilfe könnte dies u. a. den Versuch bedeuten, theoretische Konzepte, etwa das der Lebens- und Arbeitsweltorientierung (vgl. Thiersch 1992), stärker auf die alltägliche Praxis zu beziehen und daraus umgekehrt — in einem gegenläufigen Verallgemeinerungsprozess und diskursiv zwischen Theorie und Praxis -- theoretische Positionen der Jugendhilfe weiterzuentwickeln.
Im Zeichen der Verknappung öffentlicher Haushalte gerät auch Soziale Arbeit in politischer Hinsicht zunehmend unter Legitimationsdruck. Auch hier können differenzierte Evaluationskonzepte PraktikerInnen inzwischen in die Lage versetzen, sinnvolle Nachweise der Wirtschaftlichkeit, d. h. der Qualität i. S. v. Effizienz Sozialer Arbeit zu führen (vgl. Rossi u. a. 1988; Heiner 1994). Für die Soziale Arbeit durchaus neue betriebswirtschaftliche Instrumente wie Budgetierung oder Deckelung haben in den letzten Jahren zudem dazu geführt, dass die politische Gesamtverantwortung für gesellschaftliche und ökonomische Krisen im Hinblick auf die Verteilung immer knapper werdender öffentlicher Mittel — im Sinne eines nahezu freien Wettbewerbs — in die Einzelbereiche der Sozialen Arbeit, also auch in die Jugendhilfe, hinein verlagert wurden. Jugendhilfe muss sich demnach der Aufgabe stellen, ihren gesellschaftlichen Nutzen in ein nachvollziehbares und möglichst günstiges Verhältnis zum öffentlichen Aufwand zu setzen, der mit ihr teilweise betrieben wird.

Fussnoten

[1] Eine Printversion dieses Aufsatzes ist in der Zeitschrift Unsere Jugend 58 (1), 2006, 13-20 veröffentlicht.

Buchtipp

Joachim König: Einführung in die Selbstevaluation. Ein Leitfaden zur Bewertung der Praxis Sozialer Arbeit.

Buchcover

Lambertus Verlag (Freiburg) 2., neu überarb.
Aufl. 2007. 196 Seiten. ISBN 3-7841-1780-5. 17,0 EUR, CH: 30,70 SFr.

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